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3ter Kreis der Hölle

3/07/2010

Zugfahren ist wunderbar. Eine kleine Liste der Dinge, die ich besonders mag: den Geruch von überreifen Bananen, von Zwiebelmettwurstbroten, von hartgekochten Eiern, von vollen Windeln, von Bierfahnen, von ungewaschenen Mitfahrern, von Füßen ohne Schuhe auf dem Nachbarsitz; das Geräusch von schreienden Kleinkindern (die Käthe und August heissen und die entsprechenden prototypischen Eltern im Gepäck haben), von zu lauter Kopfhörermusik, von Popmusik aus Handylautsprechern, von absurden Klingeltönen; die Melodien, die vor jeder Bahnhofsdurchsage gespielt werden (“Dat du meen Leevsten büst” ist immer wieder schön).

Hinzu kommen natürlich noch die Klassiker, ohne die eine Zugfahrt einfach nicht das wäre, was man erwartet: zu harte und ergonomisch unmöglich geformte Sitze, kaputte Klimaanlagen, dreckige Klos, nur sehr wenige Steckdosen, Verspätungen, Rauchverbot. Nun ja, ein buntes Potpourri einer Vielzahl dieser Dinge hatte ich heute morgen (um 6 Uhr wohlgemerkt) mal wieder im Regionalexpress. Es geht eben nichts über einen Platz im leeren 5er-Abteil eines IC, wenn man schon Regionalstrecken fährt, um dem 3ten Kreis der Hölle zumindest etwas zu entkommen. Gott sei Dank, gibt es immer eine Rückfahrt, wo man es dann “besser” machen kann.

Mitfahrerin mit silbernen Schuhen

Und dann wiederum ergeben sich kleine Situationen, wo man den Leuten um sich herum zuhört und Zeuge solcher wunderlichen Gespräche wird, wie diesem hier:

[Zwischen zwei Dörfern, auf dem mecklenburg-vorpommerischen Land. Eine Frau und ein Mann, an einer dieser Haltestellen zugestiegen, die lediglich aus einem Grasstreifen mit schmaler Betonzeile bestehen und so abgelegen sind, dass man nicht ansatzweise den Ort ausmachen kann, dessen Namen die Haltestelle trägt.]

  • F: Hier in der Nähe war doch früher immer Disco. Warst du auch Disco?
  • M: Ja.
  • F: Alleine?
  • M: Nein, mit annern.
  • F: Achso.

Schweigen

  • F: Und wie bist du da immer hin?
  • M: Mit Fahrrad und Moped, manchmal Motorrad.
  • F: Achso.

Schweigen

  • F: Und wie lang ging das immer?
  • M: Bis 1.

Schweigen

  • M: Also in der Nacht.
  • F: So lang?
  • M: Ja.
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Defizit im “popkulturellen Kapital”

30/06/2010

Zum Füllen der popkulturellen Lücken einer gewissen Person .

Weisst schon …

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Augenlidhygiene

21/06/2010

Wieder ein Tag. Ein Tag mit 90 Minuten Wartezeit ohne etwas zu lesen dabei zu haben, umgeben von Menschen, die kontinuierlich Geräusche mit dem Innenleben Ihres Körpers produzieren. Am lautesten der Mensch neben mir, der permanent grunzt, ächzt, schnieft und zudem noch, gerade so auf der Schwelle zum Verstehbaren, vor sich hin erzählt. Dazu reisst er die ganze Zeit kleine Tabellen aus einer Fussballzeitung aus, die er anschließend mit einem Textmarker markiert. Die Außenseiten der umgeklappten Zungen seiner Schuhe sind schwarz-rot-gelb. Vom Arzt dann mit dem Hinweis auf eine “gründliche Augenlidhygiene mit Schwarzteebeuteln” entlassen. Auch wenn das Ergebnis dieses Arztbesuchs im Ganzen etwas mager ist, bin ich über den Hinweis doch sehr dankbar, da ich mir noch nie Gedanken über meine Augenlidhygiene gemacht habe. Zum Nachmachen sei in diesem Sinne dies hier empfohlen.

Der Tag ging selbstverständlich noch weiter, aber über den Typen der bei jeder Ampel, die grün ist, bremst und darüber, dass man mit Pappe kein Schiff am Sinken hindert, gibt es nichts zu sagen. Alltag eben.

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Finde den Fehler

16/06/2010

Zeichnete sich der “Fenstermensch” in meiner Straße vergleichsweise noch durch maßgebliche Bescheidenheit aus – davon abgesehen, dass ich diese ganze Flaggen-Narretei nicht nur absurd sondern regelrecht idiotisch finde – wohnt in diesem Haus in der Nähe vom Alexanderplatz wohl ein besonders großer Patridiot.

Finde den Fehler

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Das Kirren der Seu

8/06/2010

Der ilaut, von dessen geschichte im folgenden zu handeln ist, wird von ICKELSAMER in naiver weise beschrieben. nachdem er angegeben, wie das e hervorgebracht wird, sagt er: also auch das i, allein mit engerer beschlieszung der zene, die sich geneuer berieren, und ist fast der laut des kirrens der seu, wenn mans [...] sticht oder würget. (Wörterbuch der Gebrüder Grimm)

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BlumenPorn

7/06/2010

Einfach weils so poetisch ist: BlumenPorn. Graffito an einem Blumenverkaufsstand in einer der Unterführungen am Alexanderplatz.

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Aussterben der Fenstermenschen

7/06/2010

Auf dem Heimweg kam ich heute an diesem Fenster vorbei, welches mich an den Beginn eines schon etwas weiter zurück liegenden Beitrags von AL erinnerte und das ich als Illustration des folgenden Auszugs daraus – gerade vor dem Kontext der anstehenden WM – sehr treffend finde.
“Um doch noch am sozialen Leben teilzunehmen haben die Vereinsamten die Möglichkeit ihr Kissen auf ein Fensterbrett zu legen, sich darauf zu stützen und in die Welt zu lehnen. Man sieht sie kaum mehr, denn die Funktion des Fensters ging auf das Fernsehen über.” (www.documentary-scene.de)

Übrigens AL: es gibt sie noch, auch wenn ich das  folgende Bild bereits vor einiger Zeit gemacht habe. Und auch das Fenster mit der Flagge gehört einem “Fenstermenschen”. Ich sehe ihn regemäßig dort sitzen und rauchen.

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Das letzte Bier war schlecht

3/06/2010

Der Zusammenhang ist unklar, aber das ‘Versprechen’ habe ich nicht nur gegeben, sondern sogar als Notiz vermerkt, auch wenn ich mich an beides nicht mehr erinnere. Das Eigenleben von 6 meiner 7 Stirnfalten ist der Anlass, für CAL und die Mitarbeiterin des Monats hier folgendes zu posten:

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Heuschrecken in Neukölln

1/06/2010

Ganz offensichtlich ist Friedrichshain nicht nur durchgehend “aufgewertet”, anscheinend ist der Immobilienmarkt dort mittlerweile auch dermaßen gesättigt, dass die Heuschrecken jetzt neue Felder abgrasen. Neukölln steht nun auch nicht erst seit gestern unter dem Einfluss einer gewissen, sagen wir Veränderungsdynamik. Spätestens als die Zitty die Weserstrasse vor geraumer Zeit als “Simon-Dach-Straße Neuköllns” bezeichnete, war klar, dass die Aufwertung Neuköllns nun auch im Mainstreambewußtsein angekommen ist. So gesehen haben sich die Heuschrecken ganz schön Zeit gelassen, den Sprung vom Friedrichshain zu machen, aber nun sind sie da.

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Fungeräte für alle

28/05/2010

So lange es einen Anbieter für “Fungeräte” gibt, ist auch das Leben in der brandenburgischen Provinz ertragbar. / Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn alle Menschen Zugang zu “Fungeräten” hätten. / Unendlicher Spass für alle – medial übersättigt vor dem Bildschirm verhungert.

2010-05-fungeraete

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Frappant: Krähen schrecken vor Gewalt nicht zurück

28/05/2010

Zugegeben, dieser Post fällt genauso in die Kategorie Sommerloch, wie die “ungeheuerlichen” Geschehnisse, auf die er sich bezieht. Sei’s drum:

Aus der Welt

Es wirkte wie eine Szene aus Alfred Hitchcocks Horrorfilm “Die Vögel”, doch für Passanten und Polizisten in Bremen war es die Wirklichkeit. Immer wieder stürzten sich zwei Krähen auf Spaziergänger und Radfahrer an der Kneipenmeile Schlachte. Mit ihren spitzen Schnäbeln hackten sie auf jeden ein, der sich einer dritten, verletzten Krähe nähern wollten.

Wie Polizeisprecher Dirk Siemering am Donnerstag sagte, wurden einige Tierfreunde bei den Angriffen am Mittwoch so stark verletzt, dass sie ins Krankenhaus mussten. “Eine Frau soll am Kopf blutüberströmt gewesen sein.” Auch über vier Polizisten fielen die Vögel her. Mit Schutzschilden und einer Decke gelang es ihnen schließlich, die verletzte Krähe einzufangen. Die Beamten fuhren mit ihr zum Tierheim – die Rettung kam aber zu spät. “Sie ist auf dem Weg verendet”, sagte Siemering. In Berlin hatte jetzt eine Krähe mehrere Passanten auf einer Straße attackiert.

Die Innenministerkonferenz zeigte – gerade vor diesem Hintergrund – eine unerwartete Weitsichtigkeit, als sie “Drei Jahre Knast für Angriffe auf Polizisten” (BILD) forderte. Ein weiterer Fall in der Schweiz belegt, dass es sich bei den Geschehnissen in Bremen um keinen Einzelfall handelt.

Aus dem Bieler Tagblatt

Am Mittwoch letzter Woche spaziert Ursula Zurbuchen wie immer mit ihrem Hund in der Nähe der Omega der Schüss entlang. Auf einmal hört sie Krähen zetern. Das Gezeter wird lauter. Ursula Zurbuchen bemerkt zwei Krähen in ihrer Nähe. Plötzlich schwirrt einer der schwarzen Vögel um ihren Kopf herum. Erst in weiten, dann immer engeren Kreisen. Ursula Zurbuchen wird unheimlich zumute. Sicherheitshalber will sie ihren Hund anleinen. «Da prallte eine der Krähen voll an meinen Hinterkopf», sagt sie, «und gleichzeitig habe ich gespürt, wie sie mich oben auf den Kopf gepickt hat».

Daraufhin rennt Ursula Zurbuchen über die Strasse, Blut rinnt von der Kopfwunde über ihr Gesicht, Passanten starren sie erschrocken an. Auf dem Weg nach Hause verfolgen sie die Krähen. «Im Abstand von etwa drei Metern sind sie mir nachgeflogen», sagt sie, «eine vorne, eine hinten». Erst nach etwa fünfzig Metern hätten die Vögel von ihr abgelassen.

Sie habe lange über die unheimliche Attacke nachgedacht, sagt Ursula Zurbuchen. Ihre Vermutung: «Ich glaube, das waren zwei Elterntiere mit einem Nest Jungvögeln in der Nähe.» Eines der Jungen, so denkt Zurbuchen, könnte aus dem Nest gefallen sein. «Wahrscheinlich sass es irgendwo im Gebüsch, ich bin ihm zu nahe gekommen und die Eltern wollten es verteidigen». Blosse Vermutungen.

Keiner der befragten Experten hat je davon gehört, dass Krähen Menschen attackieren. Sie sehen in dem Vorfall keinen Grund, in Panik auszubrechen. Für Peter Schlup, Wildtierexperte beim Schweizer Tierschutz, klingt Zurbuchens Vermutung zutreffend: «Ich könnte mir vorstellen, dass Krähen einen Scheinangriff starten, um ihre Jungen zu verteidigen.» Die Tätlichkeit kann er sich aber nicht erklären. Möglicherweise sei der Hund der Grund, so Schlup. Doch auch diese Theorie sei blosse Vermutung. «Viele Wildtiere nehmen Hunde als Feinde wahr.»

Insbesondere die Brutalität und Hartnäckigkeit der Angriffe sind Anzeichen einer zunehmenden Verrohung und steigenden Militanz von freilebenden Krähen. Bürger, passt auf eure Köpfe auf!

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